Die Sichtweise des Architekten darauf, wie Licht und ästhetische Nachhaltigkeit das Ferienhaus bereichern

Die Sichtweise des Architekten darauf, wie Licht und ästhetische Nachhaltigkeit das Ferienhaus bereichern

Der Architekt Jesper Kusk spricht über Bauwerke, die den Zahn der Zeit überdauern, über die Bedeutung von Licht und Klang und darüber, was für ihn ein gutes Ferienhaus ausmacht.

Geräusche, Licht und Sinne werden im hektischen Alltag nicht angeregt, und das Ferienhaus ist laut dem Architekten Jesper Kusk eine Möglichkeit, der Natur näherzukommen. Wir suchen die Natur, wenn wir ins Ferienhaus fahren, aber wie kann man Ferienhäuser schaffen, die die Natur, in der sie stehen, respektieren?

Möchtest du uns ein wenig darüber erzählen, was du tagtäglich machst?

Im Alltag arbeite ich als Architekt in meinem eigenen Architekturbüro. Die Qualität des Lichts liegt mir sehr am Herzen, und ich möchte gerne, dass das Leben im Freien mit dem Arbeitstag verschmilzt. Deshalb haben wir daran gearbeitet, Arbeitspavillons zu entwerfen, die den Sommer verlängern und die Grenze zwischen Außen und Innen aufheben. Das ist spannend, denn daran arbeiten Architekten schon seit Generationen. Ich war an den unterschiedlichsten Bauprojekten beteiligt, von Kindergärten über Universitätsgebäude bis hin zu Umweltzentren und zahlreichen Bürogebäuden – ich habe also tatsächlich alle Funktionen, Größen und Maßstäbe des Bauwesens kennengelernt.

Ich war viele Jahre lang in einigen großen Architekturbüros tätig, aber das Projekt am Følle Strand war der Auslöser, der mich dazu bewogen hat, mich als eigenständiger Architekt selbstständig zu machen. Und jetzt, da ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich festgestellt, dass Gemeinschaften für mich in der täglichen Arbeit viel mehr bedeuten als die Größe des Projekts.

Mich treibt es an, Orte zu schaffen, an denen soziale Interaktion stattfindet, an denen Menschen zusammenkommen und an denen ein Raum für das Herz entsteht. Ich suche immer nach jenem Ort, an dem das soziale Leben und die Energie im Projekt sichtbar werden. Für mich bereitet es genauso viel Freude, ein kleines Haus zu entwerfen wie ein ganz großes Projekt, solange hinter dem Projekt gute Werte und Absichten stehen – solche, für die wir in Bezug auf Materialauswahl, Qualität und Nachhaltigkeit einstehen können. Meine Kollegen und ich bauen immer mit dem Anspruch, dass das Ergebnis viele Jahre Bestand haben soll.

> Mich treibt es an, Orte zu schaffen, an denen soziale Interaktion stattfindet, an denen Menschen zusammenkommen und an denen ein Gefühl der Geborgenheit entsteht.

Was zeichnet aus deiner Sicht ein gutes Ferienhaus aus?

Ganz allgemein betrachtet ist ein gutes Ferienhaus ein Ort, an dem man eine Auszeit vom hektischen Alltag nehmen kann. Einen Wechsel erleben und Ruhe finden. Einen sicheren Rahmen schaffen. Wir werden immer mehr zu Stadtmenschen, und deshalb nutzen wir das Ferienhaus, um rauszukommen und zurück zur Natur zu finden. Wir möchten wieder Kontakt zur Natur aufnehmen, und deshalb geht es darum, den natürlichen Kontakt zwischen Mensch und Natur wiederherzustellen und zu festigen. Das Ferienhaus bietet ja die Möglichkeit, diesem Wunsch gerecht zu werden – denn meistens liegen sie an landschaftlich reizvollen Orten, und indem man die Ausblicke vom Ferienhaus aus gezielt gestaltet, kann man die Natur, der man nahe sein möchte, in Szene setzen. Wir müssen diese enge Beziehung zur Natur schaffen; einen Ort mit viel Tageslicht, an dem man einen Gang zurückschalten kann. Die Architektur muss den Wunsch unterstützen, nach draußen zu gehen, dorthin, wo es Schutz gibt, wo die Sonne scheint und wo man vor dem Regen geschützt ist. Im Grunde genommen ist ein gutes Ferienhaus für mich ein Ort, an dem man der Natur nahe ist und an dem man sich entspannen kann.

Du arbeitest gerade an einem Ferienhausprojekt am Følle Strand. Wie läuft es?

Das Fischerhaus am Følle Strand ist hier im Spätsommer fast fertiggestellt worden, und das Projekt bedeutet mir sehr viel. Als Henrik, der Eigentümer des Ferienhauses, mir das Grundstück zeigte, machte ich deutlich, dass man, wenn man dort bauen würde, auch verpflichtet wäre, es gut zu machen. Für mich als Architekt war es wichtig, auf Henriks Bedürfnisse und Wünsche einzugehen und darüber hinaus zu versuchen, den Ort und seine Geschichte zu verstehen. Es ist ja charakteristisch für die dänische Küste, dass es dort viele Fischerhäuser gibt, und ich hielt es für wesentlich, diese Geschichte in die Architektur einfließen zu lassen. Wir haben uns viele verschiedene Lösungen angesehen und unterschiedliche Blickwinkel untersucht. Wo gibt es gutes Tageslicht? Wo können wir gemütliche Ecken schaffen? Und welche Herausforderungen ergeben sich, wenn man so nah am Wasser baut? Das Ferienhaus ist eine Neuinterpretation der alten Fischerhäuser geworden, bei der die drei Einheiten versetzt zueinander angeordnet sind, sodass sowohl außen als auch innen Nischen und gemütliche Ecken entstehen.

> Ich bin davon überzeugt, dass der Aufenthalt und Aktivitäten in der Natur die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen stärken. Deshalb haben wir viel Zeit darauf verwendet, dafür zu sorgen, dass Tageslicht und frische Luft in das Ferienhaus gelangen.

Welche Träume und Bedürfnisse sollten in der Ferienwohnung am Følle Strand erfüllt werden?

Henrik standen nur 46 Quadratmeter zur Verfügung, daher mussten wir bei der Raumaufteilung kreativ denken. Er träumte von einem Ort, an dem die Familie zusammen sein konnte, während kleine Nischen und Ecken gleichzeitig die Möglichkeit für Zeit allein boten. Durch die Gestaltung des Ferienhauses als drei kleine Fischerhäuschen ist es möglich, in einem Raum die ganze Nacht lang mit Freunden Karten zu spielen, ohne den Rest der Familie zu stören. Und wenn man am nächsten Tag etwas Ruhe braucht, lässt sich der Küchenbereich abschotten, sodass die Familie ungestört ihren Aktivitäten nachgehen kann. Die Idee ist, dass alles ineinanderfließt, wenn die Schiebetüren offen sind, man sich aber auch abschotten kann, wenn man die Zeit für sich allein mit einem guten Buch genießen möchte.

Følle Strand zeichnet sich dadurch aus, dass man sowohl einen Blick auf die Burgruine von Kalø als auch auf die Bucht von Aarhus hat. Daher war es ganz selbstverständlich, dass in beide Richtungen Eckfenster eingebaut wurden, damit die Natur Teil des Hauses wird. Ich bin davon überzeugt, dass der Aufenthalt und Aktivitäten in der Natur die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen stärken, daher haben wir viel Zeit darauf verwendet, Tageslicht und frische Luft in das Ferienhaus zu lassen.

Wir haben die wenigen Quadratmeter flächenoptimiert, sodass alle Fensterrahmen als Aufenthaltsbereiche dienen und es im Haus keine Durchgangsbereiche gibt, die nicht als Leseecke oder Sitzplatz genutzt werden können. Wir haben dabei so gedacht, als wäre es ein Schiff – alle Bereiche müssen so gestaltet sein, dass sie viele verschiedene Arten von Aktivitäten ermöglichen. Die Platzbeschränkung war eine spannende Herausforderung beim Bau am Følle Strand, da die Familie ganz spezifische Bedürfnisse für den Aufenthalt im Ferienhaus hat. Unter anderem musste die Akustik aufgrund der großen Glasflächen bestmöglich reguliert werden, weshalb Wände, Böden und Decken mit Holz verkleidet sind. Das sorgt für einen besonderen Duft und ein angenehmes Raumklima, denn es fühlt sich warm an und sieht warm aus. Es nimmt dem hektischen Alltag den Atem. Es vermittelt ein Gefühl der Ruhe.

Im Badezimmer gibt es ein Oberlicht, das sich über die gesamte Breite des Raums erstreckt, sodass man beim Baden das Gefühl hat, den ganzen Himmel über sich zu haben, und gleichzeitig kann man lüften. Durch die großen Fenster im gesamten Haus wird ein gutes Raumklima gewährleistet, und gleichzeitig sind sie energiesparend, da sie die Wärme während der gesamten Winterhalbzeit im Haus halten.

Warum sollte man einen Architekten in ein Ferienhausprojekt einbeziehen?

Nun, wenn man sich dafür entscheidet, einen Architekten hinzuzuziehen, erhält man ein ganz und gar maßgeschneidertes Projekt, das den eigenen Bedürfnissen und Träumen entspricht – das bekommt man bei einem Fertighausanbieter nicht. Ein Architekt macht sich mit dem Ort und der Geschichte des Bauplatzes vertraut. Natürlich ist es wichtig, dass der Architekt versteht, mit welcher Art von Kunde er es zu tun hat und welche Art von Leben in dem Haus gelebt werden soll. Deshalb zeichne ich als Architekt viele Skizzen, an die ich in Wirklichkeit vielleicht gar nicht glaube – ich tue das, um ganz sicherzugehen, dass ich nichts übersehe. Hätte das Ferienhaus rund sein sollen? Das kann ich natürlich erst entscheiden, wenn ich es auf Papier gesehen habe. Es gibt keine Einheitslösung – man muss das Haus entwerfen, von dem der Kunde träumt, denn sonst könnte man es genauso gut lassen. Ich finde, man sollte den Leuten keinen Anzug aufzwingen, der ihnen nicht passt.

Ähnliche Geschichten

Camilla Wegener

Geschrieben von Camilla Wegener

November 2021

    Gewinne Deinen nächsten Urlaub

    Sorgfältig zusammengestellte Inspirationen, direkt in Deinen Posteingang geliefert

    Eine Chance, dass Dein nächster Urlaub belohnt wird